Stolpersteinverlegung für Familie Mühlberger in Flößberg

Bildbeschreibung: Schüler putzt frisch verlegte, glänzende Stolpersteine. Um die beiden Stolpersteine liegen roten Nelken und eine weißen Rose.

Am 04. November wohnte Franziska Mascheck im Frohburger Ortsteil Flößberg der Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Mühlberger sowie der Gedenkveranstaltung bei.

In Kooperation mit dem Leipziger Verein Erich-Zeigner-Haus beschäftigten sich Schüler:innen der „Werner-Seelenbinder“ Oberschule im nahegelegenen Bad Lausick mit den Biografien von Martha und Wilhelm Mühlberger. Das spätere Ehepaar lernte sich durch ihr Engagement vor dem Ersten Weltkrieg in der SPD sowie der Gewerkschaft kennen. Martha (geb. Rauchfuß) stammte aus Flößberg und Wilhelm arbeitete vor Ort als Maschinenschlosser. 1917 traten beide in die USPD ein und beteiligten sich an der Gründung der Flößberger Ortsgruppe der KPD. Im Mai 1933 wurde Wilhelm und andere Genossen im Lokal „Drei Rosen“ zusammengeschlagen und anschließend für drei Monate im KZ Colditz inhaftiert. Beide Eheleute wurden während der Zeit der NS-Diktatur aufgrund ihrer kommunistischen Einstellung und ihres politischen Engagements sozial geächtet und am Arbeitsmarkt diskriminiert, was Armut zur Folge hatte. Weitere historische und biografische Hintergründe sind hier einsehbar.

Die Auseinandersetzung der Oberschüler:innen mit ihrer Lokalgeschichte, bei der sie erfahren konnten, dass die NS-Verbrechen nicht irgendwo oder weit weg geschahen, sondern „vor der eigenen Haustür“, gipfelte an einem stark verregnetem Donnerstagmittag mit der Verlegung zweier Stolpersteine in der Straße des Friedens 41a durch den berühmten Künstler Gunther Demnig. Hintergründe zum Projekt der Stolpersteinverlegungen können hier aufgerufen werden. An der Verlegung, welche durch musikalische Umrahmung der Schüler:innen bereichert sowie den persönlichen Vortrag eines Enkels von Wilhelm und Martha Mühlberger ergänzt wurde, nahmen neben Franziska Mascheck, welche in Frohburg zugleich Stadträtin ist, auch der Bad Lausicker sowie der Frohburger Bürgermeister teil.

Bildbeschreibung: Jugendgruppe und Franziska Mascheck bei der Stolpersteinverlegung. Regenwetter, alle tragen Schirm. Am unteren rechten Bildrand legt eine Frau in Regenjacke ein Nelke neben die beiden Stolpersteine.

Dieses Erinnerungsprojekt war nicht das Erste für die Bad Lausicker Oberschule. Unter Anleitung der sehr engagierten Geschichtslehrerinnen beschäftigte man sich in der Vergangenheit beispielsweise auch schon mit der Historie des nahegelegenen KZ-Außenlagers Flößberg.

Im Landkreis Leipzig wurden in Naunhof durch Demnig in einem anderen Projekt des Erich-Zeigner Hauses in Kooperation mit dem Freien Gymnasium ebenfalls am 04. November Stolpersteine für das jüdische Verlegerehepaar Jolowicz verlegt. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.

Da nächste Woche Dienstag am 09. November landesweit in Gedenkveranstaltungen Stolpersteine geputzt werden und an die Novemberpogrome des Jahres 1938 sowie die Shoa erinnert werden, ermutigt die Abgeordnete Mascheck die Bürger:innen im Landkreis sich mit ihrer Regionalgeschichte auseinander zu setzen und die Veranstaltungen zahlreich zu besuchen. Beispielsweise findet in Borna das Putzen der Stolpersteine für Familie Rose um 18 Uhr vor dem ehemaligen Kaufhaus „Britania“ in der Roßmarktschen Straße statt.