Mascheck beim Stolpersteineputzen in Geithain

Schüler*innen der “Paul-Guenther-Oberschule“ Geithain sowie Anwohner*innen gedachten am 09. November an den Stolpersteinen der Opfer der NS-Verbrechen in ihrer Stadt. Auch mir war es wichtig – an diesem historisch bedeutungsschweren Tag für die deutsche Geschichte – in meiner Region dabei zu sein, wenn an die Schrecken des Nationalsozialismus vor Ort erinnert wird. Mascheck machte deutlich „Es war beeindruckend zu sehen, dass die Schule nicht nur einmalige Projekte durchführt, sondern nachhaltig die lokalen Biografien durch ihre Bildungs- und Erinnerungsarbeit einbezieht dauerhaft erhält.“

Konkret wohnte die Bundestagsabgeordnete Franziska Mascheck der Reinigung des Stolpersteins für Paul Weise in der Eisenbahnstr. 1c bei. Der Stolperstein für Weise wurde erst im April 2021 durch die Oberschüler*innen in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Verein „Erich-Zeigner-Haus“ und dem „Flexiblen Jugendmanagements“ verlegt und in dieser kurzen Zeit bereits leider dreimal beschädigt. Der Geithainer Ziegelarbeiter Weise, Jahrgang 1894, war bereits vor dem Ersten Weltkrieg Mitglied der SPD und später der USPD und KPD. Aufgrund seines politischen Engagements wurde er ab 1933 kurz im KZ Colditz inhaftiert, zu über zwei Jahren Zuchthaus in Waldheim und Zwickau verurteilt, war bis 1936 im KZ Sachsenburg inhaftiert, stand anschließend unter Polizeiaufsicht und wurde 1944 erneut für fast vier Monate ins KZ Sachsenhausen deportiert. Weitere biographische Informationen und Hintergründe zum Projekt findet sich unter: https://erich-zeigner-haus-ev.de/einzelprojekt/?pid=145

In Geithain befinden sich vier weitere Stolpersteine, die besonders eindrücklich darauf aufmerksam machen, dass auch in unserer Region Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen aufgrund der NS-Ideologie der sog. „Euthanasie“ zum Opfer fielen. In der Bruchheimer Str. 14 wird an Walter Paul Rudolph und in der Chemnitzer Str. 13 an Georg Förster gedacht. Beide wurden im KZ Pirna-Sonnenstein im Rahmen der „Aktion T4“ umgebracht. Bereits 1935 wurde Förster zwangssterilisiert. In der Dresdner Str. 16 wohnte Wella Elfriede Müller, welche 1943 in Zschadraß (heute OT von Colditz) ermordet wurde. Im Rosental 3 war die letzte freigewählte Wohnstätte von Max Arthur Franz. Er wurde bereits 1927 ins Krankenhaus Hubertusburg eingewiesen und 1940 in Waldheim ermordet. Für weitere Informationen empfiehlt sich dieser Link des Geithainer Heimatvereins auf der Hompepage der Stadt: https://www.geithain.net/…/1544-stolpersteine-fuer…

Der Gedenktag soll auch Gelegenheit sein, sich bei den vielen Engagierten zu bedanken, welche durch ihre wichtige Arbeit dazu beitragen, dass an mittlerweile so vielen Stellen in unserer Region der Opfer der Nationalsozialisten an den Stolpersteinen gedacht werden kann. Bis zur Verlegung eines Stolpersteines geht jahrelanges bürgerschaftliches Engagement, Forschung und Eigeninitiative voraus. Daher gilt mein Dank ganz Besonders auch den vielen in der Erinnerungsarbeit aktiven ehrenamtlich Tätigen.

Weitere Erinnerungsveranstaltungen im südlichen Landkreis auch unter Einbeziehung von Jugendlichen fanden/ finden heute in Bad Lausick, Colditz und Borna statt.