Erschreckende Niedriglohn-Zahlen für den Landkreis Leipzig – Erhöhung des Mindestlohns muss schnell kommen

Studie belegt großen Niedriglohnsektor im Landkreis Leipzig auch bei Vollzeitbeschäftigten und Wirksamkeit von Mindestlöhnen

37,1 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Leipzig werden im Niedriglohnsegment entlohnt. Eine Studie zum Niedriglohnsektor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigte erneut auf, dass sehr viele Menschen in Sachsen mit niedrigen Löhnen auskommen müssen. Das betrifft insbesondere auch den Landkreis Leipzig. Hier verdienen fast 34 Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer und über 43 Prozent der Frauen nur Niedriglöhne. 

„Eine rasche Erhöhung des Mindestlohns ist daher besonders für unsere Region enorm wichtig. Ein Mindestlohn von 12 Euro wäre eine Lohnerhöhung für Tausende Beschäftigte im Landkreis Leipzig. Das bedeutet mehr Kaufkraft durch mehr Geld im Portemonnaie, aber eben auch mehr Respekt für ihre Arbeit“ führt die Frohburger SPD-Bundestagsabgeordnete Franziska Mascheck mit Blick auf die Zahlen aus.

Und weiterhin: „Es wird oft unterschätzt: Das tiefe Ohnmachtsgefühl trotz eigener harter Arbeitsleistung keine angemessene Vergütung und später entsprechend geringe Renten zu erhalten, hat eben auch die Leute wütend gegenüber der Politik im Osten und in Sachsen gemacht.”

Das SPD-Herzensprojekt, die Einführung des Mindestlohns 2015 wirkte. Laut Studie landen heute, insbesondere durch die Einführung des Mindestlohns von damals 8,50 Euro, 320.000 Ostdeutsche weniger im Niedriglohnbereich. Dies stimmt die neu gewählte Abgeordnete positiv: „Man kann also etwas ändern! Ich nehme in den Gesprächen mit Beschäftigten und Gewerkschaften wahr, dass sich immer mehr Arbeitnehmer nicht mehr klein machen lassen: Sie streiten für höhere Löhne, Tarifbindung und mehr Rechte. Zusammen mit einem Mindestlohn von 12 Euro kann das den Beschäftigten unserer Region den Stolz zurückgeben“. Mascheck gibt dabei ebenfalls zu bedenken, dass gut ausgebildete Fachkräfte nur mit guten Löhnen in der Region gehalten werden könnten.

Der SPD-Kreisvorsitzende Markus Bergforth befürchte jedoch, „dass CDU und AfD alles dafür tun werden, den Mindestlohn von 12 Euro zu verhindern.  Beide Parteien hatten im Bundestagswahlkampf eine Erhöhung des Mindestlohns abgelehnt. Besonders die CDU stand in der Vergangenheit für eine beispiellose Niedriglohnpolitik im Freistaat Sachsen.“ Vor einer solchen Blockadehaltung könne der Brandiser nur warnen. Großes Vertrauen setzt er in die Ampel-Koalition samt SPD-Arbeitsminister Heil und die eigene Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Leipzig Mascheck. Er ist sich sicher, dass diese 2022 den Mindestlohn rasch auf 12 Euro erhöhen werden und somit auch den Beschäftigten, die heute bereits mehr verdienen, einen größeren Verhandlungsspielraum bei der nächsten Gehaltsrunde einräumen werden.

Hintergrund:

Laut der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ist insgesamt die Zahl der Menschen im Niedriglohnsektor in Sachsen besonders hoch. Während im Freistaat 32,6 Prozent der Vollzeitbeschäftigten wenig Geld verdienen, sind es in Berlin 19,2 Prozent und in Baden-Württemberg sogar nur 13,7 Prozent. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte gelten als Geringverdiener, wenn sie weniger als 2/3 des mittleren (median) monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe verdienen. Am aktuellen Stichtag (31.12.2020) lag diese bundeseinheitliche Schwelle des unteren Entgeltbereichs bei 2.284 Euro brutto.

Hier geht es zur Studie

Regionalen Zahlen (zugleich Bildquelle für das Beitragsbild, Screenshot)